Nahost

Ehemaliger Armeechef: Netanjahu hat Warnungen vor dem 7. Oktober verborgen

Dan Halutz sah die Verantwortung für das tödliche Sicherheitsversagen letztlich beim israelischen Premierminister. Halutz war von 2000 bis 2004 Kommandeur der israelischen Luftstreitkräfte, und von 2005 bis 2007 Chef des Generalstabs.
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Der ehemalige Stabschef der israelischen Armee, Dan Halutz, warf Israels Premierminister Benjamin Netanjahu vor, Warnungen vor dem Angriff vom 7. Oktober verborgen zu haben, und wies ihm die letzte Verantwortung für das tödliche Sicherheitsversagen zu.

Halutz reagierte damit auf einen Bericht der Zeitung Haaretz, nach dem der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Muhammad bin Zayid, Netanjahu zehn Tage vor dem Vorfall vor einer größeren von der Hamas geplanten Aktion gewarnt hatte. Netanjahu spielte demnach die Drohung herunter und warnte die Chefs der israelischen Sicherheit nicht.

Netanjahus Büro nannte den Bericht eine "absolute Lüge"; die VAE haben diese Aussagen weder bestätigt noch dementiert.

In einem Interview mit dem israelischen Radiosender 103FM sagte Halutz am Sonntag, er glaube, dass das besagte Gespräch tatsächlich stattgefunden habe, und erklärte, es habe vielerlei Hinweise gegeben, dass Netanjahu mehr wusste, als er zugab.

"Was wäre einfacher für den Prinzen aus den Emiraten, als zu sagen, dass es kein Gespräch gegeben hat, wenn es keines gegeben hat? … Es gibt so viele unterstützende Gründe dafür, dass der Mann weit mehr wusste, als er denen erzählte, die später dafür verantwortlich waren, die Probleme zu lösen. Weil er unfähig war, die Probleme zu lösen. Er wusste es und hat es verborgen", sagte Halutz.

"Ich weiß nicht, wie man in den Verstand dieses Psychopathen kommt. Was geht ihm durch den Kopf? Das weiß nur er", fügte er hinzu, als er gefragt wurde, warum Netanjahu versagt haben soll, zu handeln.

Laut Haaretz erhielt auch Israels Inlandsgeheimdienst Shin Bet eine gesonderte Warnung, dass der damalige Hamas-Chef Yahya Sinwar ein "Erdbeben" und eine "erschreckende Operation" vorbereite, und Netanjahu wurde davon unterrichtet. Bei einer späteren Sicherheitsbewertung warnte der Dienst, Israel befinde sich auf einem "Kollisionskurs" und empfahl entweder bedeutende Offensivhandlungen oder eine stärkere Verteidigung rund um den Gazastreifen und das Westjordanland, aber es wurde keine Entscheidung getroffen.

Halutz gestand ein, dass das Sicherheitsversagen "total, umfassend" gewesen sei und "jeden eingeschlossen" habe, meinte aber, Netanjahu trage letztlich die Verantwortung dafür, dass das Treffen zu keinem Schluss geführt habe.

"Man kann wiederholt den Nebendarstellern in einem Film Vorwürfe machen, aber wenn der Film schlecht ist, dann beschuldigt man am Ende den Hauptdarsteller", sagte Halutz.

Bei dem Angriff durch die Hamas starben in Israel beinahe 1.200 Personen; der Krieg im Gazastreifen, der dadurch ausgelöst wurde, hat bisher mindestens 74.000 Palästinenser das Leben gekostet.

Die Kontroverse um die Recherchen von Haaretz findet im Vorfeld von Parlamentswahlen statt, die für den 27. Oktober angesetzt sind. Der Premierminister, dem in Gestalt eines anderen ehemaligen israelischen Stabschefs, Gadie Eisenkot, ein starker Herausforderer gegenübersteht, beschrieb den Haaretz-Bericht als "politisch motiviert" und als Teil der "Wahlkampagne der Linken".

Netanjahu erklärte, dass bei einer Überprüfung durch den Nationalen Sicherheitsrat und seinen Militärsekretär keine Aufzeichnungen des erwähnten Telefonats mit dem Präsidenten der VAE gefunden worden seien, und wies seine Anwälte an, Haaretz und die Journalisten, die den Bericht zu verantworten haben, wegen Verleumdung zu verklagen.

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