Europa

Wie Frankreich Waffen gegen Russland schmieden will

Frankreich brauche eine "Kriegswirtschaft", sagt Emmanuel Macron. Deshalb forciert er die Produktion von Waffensystemen, eröffnet neue Militärfabriken und fordert eine Steigerung der Waffenproduktion. Wie wird sich Frankreich bewaffnen, inwiefern betrifft das die Ereignisse in der Ukraine, und welche Waffen werden in erster Linie angestrebt?
Wie Frankreich Waffen gegen Russland schmieden willQuelle: Legion-media.ru © Bernard Patrick/Pool/Abaca/Sipa

Von Walerija Werbinina

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron reiste in die Stadt Bergerac (Département Dordogne), wo er pompös den Grundstein für eine im Bau befindliche Fabrik legte, die nächstes Jahr ihren Betrieb aufnehmen soll. Das französische Staatsoberhaupt besuchte die Provinz keineswegs, um die Produktion von Autos, Kinderspielzeug oder etwas anderem Friedlichem einzuweihen. Nein, die betreffende Fabrik wird Schießpulver herstellen.

"Ein Präsident, der einen Grundstein für eine Schießpulverfabrik legt – so etwas wäre noch vor Kurzem anachronistisch gewesen", so Le Parisien. Pikant wird die Situation dadurch, dass Bergerac bereits seit dem Ersten Weltkrieg 1915 eine eigene Schießpulverfabrik besessen hatte.

Im Jahr 2007 war die Fabrik jedoch wegen mangelnder Aufträge d. h. aufgrund der zu geringen Zahl bewaffneter Konflikte – stillgelegt worden. Doch die Ereignisse in der Ukraine eröffneten der französischen Rüstungsindustrie zahlreiche neue Perspektiven. Überdies erklärte der Präsident überzeugend, dass Frankreich eine "Kriegswirtschaft" braucht. Denn es sei notwendig, die Ukraine zu unterstützen, weil Russland nicht gewinnen dürfe, denn "ein russischer Sieg ist das Ende der europäischen Sicherheit".

Macron hatte den Begriff "Kriegswirtschaft" erstmals im Juni 2022 erwähnt. Wie der ehemalige Minister Jean-François Copé in einem Artikel für L'Express erklärte, "handelt es sich um eine Art von Wirtschaft, in der per definitionem alles, was mit der Verteidigung zu tun hat, sowie der Militärindustriekomplex, zur obersten Priorität der Nation wird". Aber beispielsweise General Patrick Dutartre hält den Begriff für "überflüssig" und bevorzugt den Ausdruck "wirtschaftliche Mobilisierung", deren Ziel die "strategische Autonomie Europas" in militärischer Hinsicht ist.

Am 14. März dieses Jahres erklärte Macron etwas anderes: Frankreich verfüge heute "über keine Industrie, die den Anforderungen einer Kriegsführung mit hoher Intensität gerecht wird". Ja, es gibt einige namhafte Hersteller – Thales, Safran oder Dassault zum Beispiel –, aber ihre Kapazitäten zur Waffenproduktion sind unzureichend.

Und wie Jean-François Copé klarstellt: "Der Staat hat keinen Impuls gegeben, um die Ressourcen des Landes zu mobilisieren." Dabei geht es nicht nur um Direktinvestitionen in den Sektor, wie man meinen könnte, sondern auch um Steuererleichterungen und die Bewältigung der spezifischen Probleme, mit denen die Waffenhersteller zu kämpfen haben.

Doch jetzt machte Macron im Beisein von Waffenherstellern eine weitere spektakuläre Ankündigung. Seiner Meinung nach "sind die geopolitischen und geostrategischen Veränderungen so, dass der Militärindustriekomplex eine immer wichtigere Rolle spielen wird".

"Die Welt, von der wir sprechen, wäre nicht dieselbe, wenn der Konflikt (in der Ukraine) morgen beendet wäre, weil Russland aktiv aufrüstet und weil, wie ihr seht, überall in Europa die Militärausgaben und die entsprechenden Aufträge steigen", fügte der französische Präsident hinzu.

Die im Bau befindliche Fabrik in Bergerac gehört Eurenco, dem europäischen Marktführer für Schießpulver und Sprengstoffe. Die Fabrik soll Anfang 2025 ihren Betrieb aufnehmen und 1.200 Tonnen Schießpulver pro Jahr produzieren.

Der Geschäftsführer von Eurenco, Thierry Francou, leugnet nicht, dass sein Konzern Aufträge bis einschließlich 2030 erhielt und dafür allein in den letzten sechs Monaten 1,2 Milliarden Euro bezahlt wurden. Wie Macron bemerkte, "zeigt die Re-Lokalisierung der Schießpulverproduktion, die tatsächlich für einige Zeit eingestellt wurde, dass in der Industrie alles möglich ist".

Außerdem wurde in Frankreich die Produktion von Fliegerbomben des Kalibers 250 Kilogramm wieder aufgenommen. Laut dem Geschäftsführer von Aresia, Bruno Berthet, "basiert die Produktion auf zwei Exportverträgen, die die Herstellung von mehreren hundert Bomben beinhalten". Auch wenn in diesem Fall der Staat nicht hinter den Aufträgen stehe, unterstützte er den Hersteller über das Verteidigungsministerium, um den Zertifizierungsprozess des Endprodukts zu beschleunigen.

Frankreichs Präsident Macron fordert von den Waffenherstellern explizit, die Zahl der produzierten Waffen zu "forcieren und zu vermehren".

Dazu gehören nicht nur die Lieferanten von Militärprodukten selbst, sondern auch ein Unternehmen wie Aubert & Duval, das spezielle Stahlsorten herstellt, die für die Produktion von U-Booten, Caesar-Haubitzen und Flugzeugen verwendet werden. Im Jahre 2023 vergab die französische Regierung militärisch-industrielle Aufträge im Wert von 20 Milliarden Euro, ein Drittel mehr als in den Vorjahren, und auch die Zahl der Exportaufträge steigt.

Besonders gefragt sind MMP-Panzerabwehrsysteme, Munition, Mistral-Luftfahrzeuge, MICA NG-Luft-Luft-Raketen und Aster-Flugabwehrraketen. KNDS verdreifachte die Anzahl der produzierten Caesar-Haubitzen und baute gleichzeitig den Produktionszyklus so aus, dass die Produktionsgeschwindigkeit nun doppelt so hoch ist. MBDA versprach, die Produktion von Aster-Raketen bis 2026 um 50 Prozent zu erhöhen, was nach Ansicht des Verteidigungsministeriums immer noch unzureichend ist. Dassault versicherte seinerseits, die Produktion von Rafale-Flugzeugen zu verdoppeln.

"Frankreich soll als Vorbild für Europa auftreten, aber es ist auch notwendig, dass ganz Europa sich mobilisiert", sagte General Dutartre. "Wir unterschätzen die Bedeutung Europas, das 500 Millionen Einwohner hat, verglichen mit 147 Millionen in Russland. Unser BIP ist siebenmal so groß wie das von Russland. Jetzt haben wir keine andere Wahl ... Wir müssen eine Verteidigung haben, die für einen hochintensiven Konflikt geeignet ist, den natürlich niemand will."

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 12. April 2024 zuerst in der Zeitung Wsgljad erschienen.

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