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Gesetzliche Spritpreis-Schaukel: Starke Preissprünge zur Mittagszeit bleiben die Regel

Mit der Regel, dass der Spritzpreis nur einmal täglich erhöht werden darf, wollte Wirtschaftsministerin Reiche den Markt beruhigen und transparenter machen. Von Beruhigung ist nicht mehr die Rede. Der Preis für Treibstoffe springt um 12 in die Höhe. Der Tipp für die Verbraucher: Gewöhnt euch dran.
Gesetzliche Spritpreis-Schaukel: Starke Preissprünge zur Mittagszeit bleiben die Regel© Urheberrechtlich geschützt

Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen – und zwar exakt um 12 Uhr mittags. Preissenkungen bleiben hingegen jederzeit möglich. Ziel der Maßnahme war es, die zuvor üblichen häufigen Preisänderungen einzudämmen und den Markt für Autofahrer nachvollziehbarer zu machen. Tankstellen änderten im Lauf des Tages den Preis bis zu 22 Mal. Doch das zentrale Ziel einer Beruhigung des Marktes wurde bisher verfehlt, zeigt die Praxis. Stattdessen gibt es zur Mittagszeit sprunghafte Preisanstiege von bis zu elf Cent in Minuten.

Beobachtungen zeigen, dass Kraftstoff kurz vor Mittag vergleichsweise günstig ist, bevor er unmittelbar danach deutlich teurer wird. Dieses Muster hat sich seit Inkrafttreten der Regelung verfestigt.

Ein Grund dafür liegt in der Logik der Regulierung: Da Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich anheben dürfen, bündeln sie diese Erhöhung auf einen Zeitpunkt – und nutzen dabei den maximal möglichen Spielraum. Frühere, kleinere Anpassungen über den Tag hinweg entfallen, was nun zu einem "Preissprung-Effekt" führt.

Ökonomen und Branchenbeobachter sehen darin ein klassisches Beispiel für unbeabsichtigte Nebenwirkungen staatlicher Eingriffe. Statt die Preise insgesamt zu senken, verschiebt die Regel lediglich den Zeitpunkt der Erhöhung und verdichtet sie.

Einige Tankstellen erhöhten am ersten Tag der Regel ihre Preise sogar sprunghaft um deutlich höhere Beträge, um sich Spielraum für spätere Senkungen zu verschaffen.

Die gesetzliche Regelung sorgt für eine klare Dramaturgie im Tagesablauf an den Tankstellen:

Vormittag: vergleichsweise niedrige Preise

Punkt 12 Uhr: sprunghafter Anstieg

Nachmittag/Abend: allmähliche Senkung

Für Verbraucher bedeutet das zwar mehr Planbarkeit, aber nicht zwingend geringere Kosten. Für die Annahme, die Maßnahme würde auch zu tendenziell niedrigeren Preisen führen, gibt es keinen Beleg. Der Automobilklub ADAC sowie andere Experten kritisieren daher, dass die Reform bislang keine echte Entlastung gebracht habe. Im Gegenteil: Niedrigpreisphasen seien kürzer geworden und das durchschnittliche Preisniveau teilweise sogar gestiegen.

Für die Preissteigerungen ist zentral die Sperrung der Straße von Hormus durch sowohl Iran als auch die USA verantwortlich, wodurch das weltweit verfügbare Angebot an Rohöl sinkt. Gleichzeitig hält die EU an den Russland-Sanktionen fest, was sich ebenfalls preistreibend auswirkt. Die Sanktionen verknappen das Angebot für die Länder der EU und damit auch Deutschland zusätzlich. Die gesetzliche Regelung kann diese Faktoren nicht ausgleichen. Sie wirkt lediglich auf die Preisstruktur im Tagesverlauf, nicht auf das absolute Niveau.

Die Bundesregierung weist die Kritik zurück und verweist darauf, dass die Maßnahme erst seit kurzer Zeit gilt. Sie diene vor allem der Transparenz. Dass sie ursprünglich auch der Beruhigung der Preise dienen sollte, erwähnt Wirtschaftsministerin Reiche inzwischen nicht mehr. Für die Verbraucher heißt das im Klartext: Gewöhnt euch dran!

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