
Europa an Ukrainer: Ihr müsst euch noch bis 2030 auf dem Schlachtfeld verheizen lassen

Von Wladimir Kornilow
Europa wird alles daransetzen, die Ukraine so lange wie möglich im Kriegszustand zu halten. Russland macht sich darüber schon lange keine Illusionen – doch in letzter Zeit haben auch die Europäer selbst aufgehört, ihre wahren Pläne für das Ukraine-Projekt zu verbergen, und ihre Argumente sowie Listen von Extrawünschen offengelegt.
Besonders weite Kreise schlug die Aussage des Oberbefehlshabers der belgischen Armee, General Frederik Vansina. In einem Interview für Le Soir erklärte er:
"Sobald der Konflikt in der Ukraine beendet ist, muss Europa stark genug sein, um die Russen einzudämmen und aufzuhalten.
Deshalb müssen wir Wladimir Putin bis zum Jahr 2030 sagen können: Selbst wenn die USA nicht an unserer Seite kämpfen, wird er den Krieg gegen Europa nicht gewinnen. Wir haben noch einige Jahre vor uns – dank dem Mut und dem Blutvergießen der Ukrainer, die uns diese Zeit verschaffen. Deshalb leisten wir ihnen diese massive Unterstützung."

Sprich, der Belgier erklärt hier unverblümt: Die Ukrainer müssen noch einige Jahre auf dem Schlachtfeld sterben. Und das nicht etwa wegen irgendwelcher Parolen über "Demokratie" oder "Freiheit" – sondern einzig und allein, um den Europäern Zeit zu geben, sich bis an die Zähne zu bewaffnen. Was bis zum Jahr 2030 mit den Ukrainern selbst oder dem Staat Ukraine im Allgemeinen geschieht, kümmert den General überhaupt nicht.
Es kann eine Wiederholung vertragen: Wir in Russland haben das längst verstanden. (Deshalb belächeln wir stets die klagenden Worte der Europäer, zum Beispiel, von wegen, man möge sie doch am Friedensverhandlungstisch platznehmen lassen.) Doch eine solch offene und zynische Äußerung des derzeitigen Oberbefehlshabers eines NATO-Landes schockierte selbst die ukrainischen Kriegstreiber und ihre europäischen Kollegen.
So interpretierte beispielsweise ein berüchtigter Abgeordneter der Werchowna Rada, der ewig kriegstrunkene Russophobe Alexei Gontscharenko, die Worte des Belgiers folgendermaßen:
"Also sagen die, vorerst sollt ihr hier sterben, weil Europa noch nicht bereit ist. Ist denn der Preis nicht vielleicht etwas zu hoch? Wie viele unserer Leute müssen sterben?!"
Dem stimmt der proukrainische Propagandist Jürgen Nauditt aus Deutschland zu, der General Vansinas Äußerungen wie folgt kommentierte:
"Das ist eine der widerlichsten Formen der Heuchelei, die Europa derzeit an den Tag legt.
Es ist strategische Feigheit. Es ist ein moralischer Bankrott. Ein einziges Land muss im Alleingang den Preis für die europäische Sicherheit zahlen."
Na sowas aber auch… Als hätten all diese Gontscharenkos und Nauditts vor den Worten des Belgiers so gar keine Ahnung davon gehabt, was Europas Strategie, skizziert im Plan Readiness 2030 (früher: ReArmEurope) für eine signifikante Militarisierung der Europäischen Union bis zum genannten Jahr, in Wirklichkeit beinhaltet. Mit anderen Worten: Vansina hat wie der urtypische Landser (auch wenn er den Luftstreitkräften angehört) ein paar Krüge nach dem allabendlichen Zapfenstreich einfach nur das ausgeplaudert, was zwischen den Zeilen dieser Strategie stand – nicht mehr und nicht weniger.
Auch die Briten haben sich in diese Diskussion eingeschaltet (ja wie denn auch sonst … wenn wir mal erleben dürfen, dass die sich mal aus etwas heraushalten …): Die Times zitierte Daten des KI-Modells Cassi, das in London als der Vorhersager überhaupt gilt. Nach der Analyse zahlreicher Szenarien prognostizierte also diese britische "KI-Kassandra" – zur Freude der nationalen Rüstungsindustrie –, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Kriegseintritt Großbritanniens innerhalb der nächsten zehn Jahre bei 24 Prozent liegt, sollte das Land nicht mehr als drei Prozent seines Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung ausgeben. Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass Cassi die Kriegswahrscheinlichkeit für Großbritannien weiter erhöhte, falls die Kampfhandlungen in der Ukraine bis Ende dieses Jahres beendet werden.
Sprich, der britischen Öffentlichkeit wird signalisiert: Wer nicht selber kämpfen will, soll gefälligst weiterhin in das Kiewer Regime investieren. Und (abermals: wie denn auch sonst?) wieder kein Wort darüber, welche Zukunft die Ukrainer erwartet, sollte der Konflikt andauern. Weder Europa noch das Kiewer Regime selbst kümmern sich darum.
Dies bestätigt Juri Kameltschuk, Abgeordneter der Werchowna Rada von Selenskijs Regierungspartei "Diener des Volkes", der, lässig in einem Sessel lümmelnd (offensichtlich nach einem weiteren Besuch in einem teuren Barbershop), erklärte:
"Wir kommen als Verteidiger Europas sehr billig zu stehen. Der Krieg in der Ukraine ist für die Europäer sehr billig. Wir sollten für unsere Leistungen deutlich mehr verlangen."
Mit anderen Worten: Sowohl Selenskij als auch seine Stellvertreter machen nicht einmal ein Geheimnis aus ihrem Wunsch, noch mehr vom Blut ihrer Mitbürger zu profitieren. Offenbar würde Frieden für sie den persönlichen finanziellen Ruin bedeuten.
In diesem Zusammenhang ist es bezeichnend, wie alarmiert Europas "Eliten" über die Veröffentlichung einer Liste von Unternehmen durch Russlands Verteidigungsministerium reagiert haben, die direkt an der Waffenproduktion für die Ukraine beteiligt sind. Zeitungen titeln reißerisch, dies sei eine "Zielliste" für Russland, und sprechen allen Ernstes von einer "Eskalation". Nur die Tatsache, dass auf ihrem eigenen Boden tödliche Systeme zur Ermordung russischer Bürger unter ukrainischer Marke hergestellt werden, hat die Redakteure der Westmedien wohl überhaupt nicht gestört.
Übrigens sind inmitten all dieses Trubels einige interessante Details ans Licht gekommen. So wies die tschechische Zeitung Deník N darauf hin, dass die Liste unseres Verteidigungsministeriums unter anderem die Firma U&C UAS enthält – eine Tochtergesellschaft des ukrainischen Drohnenherstellers Deviro. Wie sich herausstellte, ist dem ukrainischen Eigentümer dieses Unternehmens seit letztem Jahr eine in der Ukraine recht bekannte Persönlichkeit beigetreten: der ehemalige EU-Kommissar für Erweiterungspolitik, Štefan Füle. Niemand anderes als er war es, der damals Janukowitsch unter Druck setzte, das umstrittene Assoziierungsabkommen der Ukraine mit der EU zu unterzeichnen, und den Euromaidan aktiv unterstützte. So sieht sie also aus, die Monetarisierung politischer Aktivitäten! Und nun besitzt Füle zehn Prozent der Anteile an Deviro, eines Militärunternehmen im Dienste des ukrainischen militärisch-industriellen Komplexes. Und Korruption? Ach, wo kämen wir denn hin! Einfach nur Profit auf Kosten ukrainischer Opfer.
Zahlreiche europäische Medien behaupten nun lautstark, die Liste des russischen Verteidigungsministeriums (Anmerkung: diese basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen) stelle schon für sich genommen eine Gefahr für die Anwohner dar. Tja, für sie sollte dies eigentlich eher eine sehr willkommene Information sein. Denn die Behörden vor Ort beteuern, es bestehe kein Grund zur Sorge. Als beispielsweise vor einigen Monaten Anwohner der zum Bau einer weiteren ukrainischen Militärindustrie-Anlage in Dänemark vorgesehenen Gebiete Sicherheitsbedenken äußerten, versicherten die Militärbehörden des Landes, Munitionsproduktion dort sei unproblematisch. Und das einzige Hindernis für den Bau sollten Heidefalter in den nahegelegenen Büschen werden – eine in Europa geschützte Insektenart.
Vielleicht erkennen die europäischen Bürger dank der Warnung unseres Verteidigungsministeriums ja endlich, dass sie in die Irre geführt wurden und dass die Sicherheit der Heidefalter nicht das Einzige ist, worüber sie sich angesichts dieser hochbrisanten – also im wahrsten Sinne des Wortes explosiven –, angeblich ukrainischen Anlagen in unmittelbarer Nachbarschaft Sorgen machen müssen. Sie sollen sich klarmachen, dass der Krieg in der Ukraine weitaus kostspieliger für sie werden könnte als von Selenskijs Abgeordneten verdeutlicht.
Nur dies – ein drastischer Anstieg der Kriegskosten für Europa (und zwar explizit nicht nur der finanziellen) – wird es zur Aufgabe seiner Pläne zwingen, die Ukrainer auch in den kommenden Jahren als "Kanonenfutter" zu missbrauchen. Und sie sollen sich nicht wundern, dass Russland darauf hinarbeitet. Wir haben sie offen gewarnt.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen am 20. April 2026 bei "RIA Nowosti".
Wladimir Kornilow ist ein sowjetischer, ukrainischer und russischer Politologe, Geschichtswissenschaftler, Journalist, Schriftsteller und gesellschaftlicher Aktivist. Er ist der ehemalige Leiter der ukrainischen Filiale des Instituts der GUS-Staaten in Kiew und Leiter des Zentrums für Eurasische Studien in Den Haag. Nach seiner scharfen Kritik am Euromaidan musste er aus der Ukraine flüchten und arbeitet seit 2017 als Kolumnist bei "Rossija Sewodnja". Er führt eine Telegram-Kolumne zu aktuellen politischen Themen.
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